Annette

 Morbus Basedow

Alles fing an im Sommer (2002), kurz nachdem ich 50 Jahre jung geworden war und mit lieben Freunden gefeiert hatte. Abends bekam ich dicke Füsse, und auch über Nacht ging die Schwellung nicht mehr zurück.
Mein Doc tippte auf ein kurzfristiges Ödem und meinte, durch kühle Fussbäder könne ich da viel machen. War aber nicht. Weder Fussbäder, noch unterschenkelhohe kalte Bäder noch sonst etwas half.
Er verordnete mir dann Tabletten zum Entwässern, welche aber nur bedingt halfen. Mittlerweile waren nicht nur die Füsse, sondern auch die Unterschenkel betroffen, später die gesamten Beine. Dick angeschwollen machten sie mir das Gehen zur Qual und ich begann, die Treppe wie ein Kleinkind hinauf oder herab zu gehen, immer einen Fuss nachziehend. Ein Vollbad in der Badewanne war unmöglich geworden, weil ich die Knie nicht gebeugt bekam, also war nur noch duschen angesagt.
Dann kam Herzstolpern dazu und der Doc verordnete mir Betablocker . Schlafstörungen machten mir zu schaffen, ich konnte schlecht ein - und überhaupt nicht mehr durchschlafen. Nach 2 - 3 Stunden war an weiterschlafen nicht mehr zu denken. Meine Zeit verbrachte ich überwiegend im Bett, weil sich herausstellte, dass wenigstens dann die Beine nicht ganz so dick wurden. Liebe Freunde hielten mich per Chat aufrecht, das Laptop wurde zu meinem * Bettgenossen * tagsüber.
Mein Doc war irgendwie ratlos. Mittlerweile hatte ich 15 kg Gewicht verloren. Der Doc glaubte an einen möglichen Stau innerhalb der Gefässe im Bauchraum und schickte mich zur Computertomographie. Den Termin dafür bekam ich * schon * vier Wochen später, weil ein anderer Patient abgesagt hatte, normalerweise dauert es länger. Befund: alles in Ordnung, keine Störung zu finden!

Was tun? Die Beschwerden hörten doch nicht auf. Ich kam mir so entsetzlich blöd vor, so nutzlos, ratlos. Zusätzlich hatte ich Stimmungslagen, die ganz plötzlich auftraten und sekundenschnell ins gegenteilige Extrem wechselten. Was war nur los? Das war doch gar nicht ich selber?

Mein Mann wurde auch immer nervöser und machte den gesamten Haushalt, zusätzlich zu seiner Arbeit. Ich sollte ja nur schnell wieder gesund werden und mich schonen!

Dann fuhr mein Doc in Urlaub und sein Partner (Internist) machte Vertretung.
So auf Anhieb wusste auch er keinen Rat, fragte mich aber ein paar Dinge, deren Zusammenhänge ich zunächst aber nicht erkannte. Er wollte wissen, ob ich abgenommen habe, sah auch meine verquollenen Beine an, die mittlerweile wie die eines Elefanten aussahen, jedenfalls fühlte ich mich so. Herzrasen las er ja aus meiner Karteikarte ab. Schweissausbrüche hatte ich auch noch, ja das kommt von den Wechseljahren. Vergesslichkeit? Kommt von unserem Alter, wir sind nun mal keine 20 mehr. Vielen Dank, das hat mir auch noch gefehlt! Das baut so wunderbar auf! Er gab mir eine Überweisung zum Nuklearmediziner für ein Szintigramm. Er sagte: „Ich vermute mal, mit ihrer Schilddrüse stimmt was nicht. Das Szintigramm wird uns Aufschluss darüber geben“.

Nun, auf eine weitere Untersuchung kam es auch nicht mehr an, also holte ich einen Termin beim Nuk. Auch diesmal hatte ich Glück, dass ein anderer Patient abgesagt hatte und bekam den Termin schon nach drei Wochen. Nach der Untersuchung noch ein Gespräch und die Diagnose stand fest: Schilddrüsenüberfunktion.

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