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Morbus Basedow Gabi H.
Wann alles anfing? Das kann ich heute gar nicht mehr so genau sagen. Irgendwann im Jahre 1998, zu diesem Zeitpunkt war ich 41 Jahre alt. Da ich jedoch in den Jahren zuvor einige Schicksalsschläge erlebte (u. a. der Verlust beider Eltern), schob ich die Symptome, die sich bei mir zeigten, auf die „Psychoschiene“. Ich war davon überzeugt, dass ich mir nun psychologischen Beistand suchen müsste. Ich dachte: Bei dem was du alles in den vergangenen Jahren erlebt hast, muss ja mal der Zusammenbruch kommen.
Es fing eigentlich ganz „harmlos“ an: nämlich damit, dass ich plötzlich nicht mehr in der Lage war, nach Beendigung meines Halbtagsjobs, wie üblich, meine Einkäufe sofort zu erledigen. Ich fuhr lieber sofort nach Hause - und war total erledigt. Ich hatte immer öfters das Bedürfnis, mich mittags hinzulegen. Doch dem widerstand ich – schliesslich musste ich ja meinen Haushalt noch führen. Es klappte aber trotzdem nicht mehr. Irgendwann war ich kaum noch in der Lage, mittags für meine Kinder zu kochen, die Wäscheberge türmten sich und und und…, kurz: es war das reinste Chaos. Meine Töchter waren beide mittendrin in der Pubertätsphase, was die Sache auch nicht gerade einfacher machte.
Im Winter bemerkte ich, dass ich überhaupt nicht mehr fror – dies habe ich jedoch anfangs noch genossen. Gewohnt, mit einem zu niedrigen Blutdruck durchs Leben zu gehen und somit mehr oder weniger ständig zu frieren, fand ich es zur Abwechslung einfach mal „Klasse“ nun nicht mehr frieren zu müssen. Also wieder kein Zeichen für mich, dass ich vielleicht doch einmal einen Arzt aufsuchen sollte… Ich dachte: Na, hat ja doch Vorteile wenn man älter wird, der Blutdruck scheint sich nun zu stabilisieren.
Doch als ich dann von regelrechten „Schwitzanfällen“ überrascht wurde, fand ich das dann doch nicht mehr so toll. Ich überlegte: Sind das schon die Wechseljahre? Wäre das nicht etwas früh? Dann begannen plötzlich regelrechte „Zitteranfälle“ meiner Arme. Es wurde so schlimm, dass ich bei diesen Zitteranfällen versuchte, den einen Arm mit dem anderen Arm festzuhalten, um die Anfälle zu „unterdrücken“. Doch auch dies ließ mich noch nicht aufhorchen, um einen Arzt aufzusuchen. War ich doch immer noch der Meinung, dass ich einen Psychologen benötige – doch wie kommt man an einen guten „ran“?
Während der folgenden Monate wurde ich immer antriebsloser, konnte trotz übergrosser Müdigkeit schwer einschlafen bzw.. nicht durchschlafen. Unkonzentriertheit gesellte sich dazu, gepaart mit grosser Gereiztheit. Heulanfälle waren auch an der Tagesordnung – diese jedoch immer „im stillen Kämmerlein“. Inwieweit die „ Heulanfälle “ mit MB zusammenhingen kann ich heute nicht mehr nachvollziehen – immerhin war ich ja zu diesem Zeitpunkt noch in Trauer um meinen Vater, der einige Monate zuvor gestorben war.
Nach wie vor schob ich meine Beschwerden auf die Psyche, konnte mich aber nicht dazu „aufraffen“, mir diesbezüglich Hilfe zu suchen. Ich hatte ständig das Gefühl, dass mir alles zuviel wurde.
Meine Augen begannen „problematisch“ zu werden – ich hatte das Gefühl, dass meine Augen ständig überanstrengt seien, immer öfters hatte ich ein Fremdkörpergefühl. Schwindelattacken überfielen mich. Sehr häufig hatte ich unter Kopfschmerzen zu leiden. Na, ja, dachte ich, muss halt mal beim Augenarzt anrufen und mir einen Termin geben lassen… Die Kopfschmerzen habe ich auch nicht überbewertet – leide ich doch schon seit ungefähr meinem 14. Lebensjahr immer wieder unter Kopfschmerzattacken, das Gleiche galt für die Schwindelanfälle.
In der folgenden Zeit bemerkte ich, dass ich kaum noch einem Gespräch folgen konnte, meine Arbeit fiel mir immer schwerer, ich konnte mich kaum noch konzentrieren.
Nun, in diese Zeit fiel mein Entschluss ein paar Pfunde loszuwerden. Und wunderte mich darüber, dass, obwohl ich eigentlich kaum „Abstriche“ beim Essen machte (ich sparte eigentlich nur ein wenig Fett), die Pfunde nur so „purzelten“. Doch lange dauerte meine „Diät“ nicht, sie war nicht mehr nötig: Bei Essenseinladungen mit Freunden, Verwandten, Bekannten kam ich mir immer sehr seltsam vor, wenn diese jammerten „sie seien so voll gegessen“ – und bei mir war immer noch so ein richtiges „Loch“ im Bauch. Ich habe „gefressen wie ein Scheunendrescher“ und nahm ab!! Endlich mal was Tolles! Ach, habe ich mich gefreut, als ich in ein Bekleidungsgeschäft kam, die Verkäuferin mich anschaute und mir sagte: „Die kleinen Grössen finden Sie aber nicht hier, die sind da hinten!“ Ich bekam starkes Herzklopfen, konnte mich zeitweise kaum noch aufrechterhalten. Aber immer noch der Gedanke im Hinterkopf: Die Psyche.
Der Geburtstag meines Mannes nahte – und eigentlich wollte ich ein richtig tolles Fest organisieren, war es doch immerhin der 50. Doch weit gefehlt, inzwischen war ich kaum in der Lage irgend etwas zu organisieren, geschweige denn ein Essen für solch’ einen Anlass auf den Tisch zu bringen. Mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Der Geburtstag wurde gefeiert (er war übrigens sehr schön, Essen haben wir vom Partyservice bringen lassen…) – und anschliessend hatte ich Kopfschmerzen, die überhaupt nicht mehr weggingen, abgesehen von meinem sonstigen Allgemeinzustand, der ja immer schlechter wurde. Am ersten Tag dachte ich noch: ja, klar, du hast einen ausgewachsenen Kater!
Einige Tage nach dem Geburtstag hatte ich wegen meiner Tochter einen Arzttermin beim Hausarzt. An diesem Tag ging es mir noch schlechter als die ganze Zeit vorher. Beim Arzt ließ ich mir den Blutdruck messen, da ich der Meinung war, dass dieser zu niedrig sei. Aber das Gegenteil war der Fall – der Blutdruck war viel zu hoch. Nun begannen jede Menge Arztbesuche mit den üblichen Untersuchungen – und ich war regelrecht erleichtert, dass der Arzt „das Heft in die Hand nahm“ und mir sagte, was ich nun zu tun habe. Ich hatte Glück im Unglück – die Diagnose MB war relativ schnell gestellt. Nachdem die Diagnose gesichert war sagte der Doc zu mir: „Sie haben Glück gehabt, dass so schnell festgestellt wurde, an was Sie leiden. Sie wären nicht die erste Patientin mit dieser Diagnose, die in der Nervenklinik landet .“ - Er selber habe so einen Fall bereits erlebt.
Ich wunderte mich damals darüber, dass jeder Arzt, den ich während dieser Zeit aufsuchte, darauf drang, dass ich zum Augenarzt gehen solle. Okay, ich hatte Probleme mit den Augen, aber die nahm ich zum damaligen Zeitpunkt nicht sehr ernst – und sah sie auch nicht im Zusammenhang mit meiner Erkrankung. Ich dachte: eine neue Brille und dann ist es wieder okay. Es drückte sich auch kein Arzt klar genug mir gegenüber darüber aus, welche Probleme ich mit den Augen bekommen könnte. Und ich war viel zu schwach, um von mir aus nachzufragen. Auch meine immer grösser werdende Vergesslichkeit spielte hier eine grosse Rolle. Die Fragen, die ich mir Zuhause „im Kopf“ zurecht legte, hatte ich unter Garantie, bis ich im Sprechzimmer des Arztes war, vergessen. Mein Arzt gab mir einmal den Tipp, alle Fragen, die mir auf dem Herzen liegen würden, auf einen Zettel zu schreiben und diesen dann zu den Terminen mitzunehmen. Ein sehr guter Tipp! Aber was nützt er mir, wenn ich den Zettel zu Hause vergesse???
Die Probleme mit den Augen wurden stärker. Abgesehen von dem Fremdkörpergefühl, dass ich nun fast ständig verspürte, begannen die Augen zu tränen, ich verspürte immer wieder so etwas wie „kleine Nadelstiche“ sowie einen starken Druck, die Augen waren ständig gerötet, dazu die extreme Lichtempfindlichkeit. Morgens nach dem Aufstehen hatte ich besonders grosse Probleme. Ich sah Doppelbilder, Gott sei Dank jedoch nicht durchgehend, wie viele andere Betroffene. Die Augenlider waren, vor allem morgens, stark „verquollen“ und wie „zugeklebt“, die Augen standen hervor, im Volksmund sagt man dazu auch: Frosch- oder Glubschaugen, sehr nett. Ich hatte immer öfters Probleme damit, die Augen morgens überhaupt öffnen zu können. Im Laufe des Tages, in der Regel nachmittags, wurde der Zustand meiner Augen meist etwas besser.
Die Diagnose: Endokrine Orbitophatie – kurz: EO, die in Verbindung mit Morbus Basedow auftreten kann.
Wie es Gabi weiter ergangen ist lest bitte HIER weiter.
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